Wie es strömt
Gerade erst hat Gregor Gysi behauptet, die Linke sei keine Strömungspartei, da meldet sich ein Betroffener: Der nordrhein-westfälische Bundestagsabgeordnete Hüseyin Aydin macht die Dominanz von Sozialistischem und Antikapitalistischem Flügel dafür verantwortlich, dass unabhängige Politiker bei Listenwahlen durchfallen: „Wer keiner Strömung angehört – das gilt zum Beispiel für mich – hat praktisch keine Chance mehr auf Amt oder Mandat.” Der Hinweis hat was für sich, geht aber in dem von den Medien eifrig weiterzitierten Vorwurf unter, hier würden radikale Gruppen die Partei auf einen „sektiererischen Kurs” bringen. Dabei ist die Frage, wie man mit dem überproportionalen Einfluss von Strömungen bei der innerparteilichen Willensbildung umgeht, doch recht interessant. Der Flügelproporz entscheidet inzwischen fast alles. Wer sich auf einem Parteitag durchsetzen will, geht Bündnisse ein. Ein Spezialistendiskurs, den viele Mitglieder nicht durchschauen wollen und von dem die meisten Wähler gar nichts wissen. „Die Strömungsvertreter machen nicht einmal zehn Prozent der Mitgliedschaft in der alten Bundesrepublik aus. Noch weniger sind sie repräsentativ für unsere Wählerschaft”, sagt Aydin. Dass er dabei im konkreten Fall eine Mäßigung der Partei im Sinn hat, ist Nebensache. Seine Beobachtung gilt ja auch für das Forum demokratischer Sozialismus, dem man nicht vorwerfen muss, beim partei-internen Wettbewerb „Wer von uns ist der Linkeste?” besonders erfolgreich zu sein. Was tun? Der einzige Ausweg: Gründung einer Strömung der Strömungsungebundenen. Nur zu dumm, dass das Kürzel SDS schon vergeben ist.
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