Pontifex Müntefering
Da für ihn der SPD-Parteivorsitz das schönste Amt neben dem Papst ist, benimmt sich Franz Müntefering gern einmal wie der Summus Pontifex. Bei einer Audienz in der Redaktion der Saarbrücker Zeitung nannte er es falsch, die Mitglieder der Linkspartei „für die nächsten 200 Jahre zu exkommunizieren”. Bei den konvertierten Sozialdemokraten im Saarland hat die Predigt indes für geringe Begeisterung gesorgt, ähnlich zurückhaltend äußerte sich Lothar Bisky. Kein Wunder, denn wann genau Lafontaines Genossen mit der Aufhebung der Beugestrafe rechnen dürfen, ist nicht bekannt. Die Äußerung Münteferings hat aber sogleich Spekulationen darüber ausgelöst, ob eine Absolution für die Linke unter Umständen schon für dieses Jahr geplant ist – natürlich nur auf Landesebene, sonst wäre ja wieder von Wortbruch die Rede. Manche Betbrüder haben das wohl falsch verstanden und sogleich Warnungen ausgestoßen, den Dämonen nicht zu nahe zu kommen. Sie können beruhigt sein: Die SPD hält an ihrer Haltung fest, nach der hier erlaubt sein soll, was da verboten ist. Bundespolitisch Wasser predigen und landespolitisch roten Wein trinken – wie man die Kirche halt kennt.
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Die SPD hält vor allem an ihrer Haltung fest, dass sie an keiner Haltung festhält: Wer im Saarland je nach Wahlergebnis mit der Linken oder mit der CDU koalieren will, weiß offensichtlich nicht, was er für Politik machen will.