Linke unterm Schirm

Linke unterm Schirm

Die Linkspartei hat ihre bundesweite „Schutzschirm”-Kampagne gestartet. Vor Arbeitsämtern und Betrieben wurden „Handzettel” verteilt, Unterschriften gesammelt und für die Demonstration „Wir zahlen nicht für eure Krise” geworben. Drei Tage nach dem 28. März soll die Linken-Kampagne weitergehen – abermals mit einem „bundesweiten, bunten Protestpuzzle”. Die Aktionen sind Teil der „Aktivierungsstrategie” der Partei im Wahlkampf, die einerseits mit Grassrootsmethoden die vergleichsweise geringen Finanzmittel der Linken kompensieren helfen soll. Andererseits aber auch der politischen Idee folgt, Leute zu „ermutigen, für ihre Bedürfnisse selbst aktiv” zu werden. Motto: „Uns aus dem Elend zu erlösen, können wir nur selber tun!” Wie gut das geklappt hat (oder eben nicht), kann man in einem eigens aufgesetzten Blog der Linkspartei nachlesen. Online kann von „Mitmachen” allerdings noch nicht die Rede sein: Zu den (nicht gerade mitreißenden) Berichten von den Aktionen am Freitag findet sich bisher kein einziger Kommentar (Wozu man sich ja auch anmelden müsste, aber wo und warum? / Update: Kommentieren kann man seit heute, 16. März, auch ohne Anmeldung), kaum Anregungen von Betroffenen etwa in der Art, dass die Forderungen der Linken in Sachen Hartz nicht weit genug gehen usw. Der Eindruck von Eigenaktivität der Erwerbslosen und Beschäftigten entsteht auch durch die Bilder noch nicht, auf denen es eher nach dem alten Anbieter-Konsumenten-Schema aussieht: Flugblatt? Hmm, na gut. Aber das kann ja noch werden. Im November 2003 hat auch niemand damit gerechnet, dass zur Demo gegen die Sozialkürzungen plötzlichen Zigtausende kommen. Zumal inzwischen auch andere dort hingehen, wo es für die Linke wehtut, weil man auf Beifall nicht unbedingt zählen kann: FelS zum Beispiel hat Anfang März vor einem Berliner Jobcenter für „solidarischen Begleitschutz” geworben. „Aktionen wie gemeinsam auf‘s Amt zu gehen können einzelnen den Rücken stärken und ein Austausch über Probleme kann der Beginn eines Organisierungsprozesses sein.” Vielleicht ist es ja auch eine Frage der Form. Die Linkspartei hat für ihre Kampagne erklärt, „der Kreativität der einzelnen Akteure vor Ort” seien „keine Grenzen gesetzt”. Aber verständlich sollte schon sein, was man tut. Beim Europaparteitag wurde auf der Bühne ein Transparent präsentiert, das man nur so lesen konnte, wie es da stand: Ein Schutzschirm für … die Linke. (Danke an Katharina Weise für das Foto.)

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