Von der Demo in Berlin

Wieder schlägt die Stunde der angewandten Protest-Arithmetik: Wie viele haben denn nun demonstriert? In Berlin konnte man zwischen 3.000 (Zwischenstand der Polizei), 10.000 abschließende Zählung der Bullerei und 30.000 Attac wählen, in Frankfurt variierten die Angaben zwischen 9.000 und 25.000 Teilnehmern. Nun ja, der alte Streit. Es ist auch eine Frage der Perspektive, nicht nur der politischen. Ich hatte in Berlin zwischenzeitlich den Eindruck, die durchgesagten 30.000 müssten auf jeden Fall stimmen – später bei der Abschlusskundgebung sah das dann wieder ganz anders aus. Was nichts über die Demo selbst aussagt, denn mal ehrlich: Was wäre denn, wenn es „wirklich” nur die erwarteten 20.000 gewesen wären? Ein Quantensprung wie im November 2003, als die Erwartungen um das Mehrfache übertroffen wurden, blieb jedenfalls aus. Blöd für die Mathematiker, nicht das große Problem für eine insgesamt doch gute Demo. Die man noch besser in Erinnerung behalten würde, wenn nicht dieser „Moderator” in Berlin am Nachmittag eine weithin hörbare Kostprobe peinlicher „Befriedung” abgegeben hätte: Als die Polizei das tat, was man von ihr erwartet, erfolgten mehrfach Aufrufe an „den Schwarzen Block” oder der Einfachheit halber gleich auch an „die Schwarzen”, sich friedlich zu verhalten, das Provozieren (O-Ton von der Bühne: „Aber ich sehe das doch von hier oben”) bzw. das Gegenprovozieren zu unterlassen. Irgendwann hatte der Typ es dann doch kapiert und wagte eine sprachliche Umarmung „unserer Freundinnen und Freunde vom schwarzen Block” – immer schön die Parole bedienend, die uns jetzt am Abend auch von DPA, AFP und Co. geliefert wird. Die Vorbereitungsgruppe hatte sich vor ein paar Tagen noch gegen das mediale Gerede von einem „schwarzen Block” gewehrt. Nun ja. Auf dem Weg zurück zum Bahnhof sah man dann noch, dass es nicht am Wetter gelegen haben kann, weshalb nicht mehr Leute kamen: Vor dem frisch eingeweihten Elektromarkt am Alex konnte man den Platz vor lauter Leuten nicht sehen. Wir zahlen nicht für eure Krise! Wofür zahlen die?

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