Berliner Liste

Man hätte sich ja auch gewundert, wenn es mal keine Diskussionen gegeben hätte: Am Sonntag besetzt die Berliner Linkspartei ihre Landesliste für die Bundestagswahl. Der Vorstand hat dazu einen Vorschlag mit doppelter Schlagseite vorgelegt: Auf aussichtsreichen Plätzen sind Ossis und Realos nominiert. Was soll man tun, wenn drei Bundestags-Promis unterzubringen sind – Gregor Gysi, Petra Pau, Gesine Lötzsch -, die zwar als Direktkandidaten ihre Chancen haben, aber was ist im Wahlkreis schon sicher. Gegen die Nominierung der drei vernimmt man allerdings kein böses Wort. Das Grummeln konzentriert sich eher auf die Plätze dahinter, wobei die beiden Lieblingskonfliktlinien der Partei bedient werden: Ost-West; Realo-Fundi. Und so werden Gegenkandidaturen von Vertretern Westberliner (gibt es das Wort eigentlich noch?) Bezirke erwartet. Zudem kursiert ein Offener Brief gegen die mögliche Kandidatur von Stefan Liebich auf dem nicht aussichtslosen Listenplatz 4 – Basisvertreter aus dem Osten halten den wirtschaftspolitischen Sprecher der Fraktion für „weder politisch noch moralisch” geeignet, was mit einer Äußerung während des Tarifstreits im Öffentlichen Dienst begründet wird – aber auch mit seiner Rolle bei den Reformlinken zu tun haben dürfte. Liebich ist zugleich Direktkandidat im Wahlkreis Pankow, doch sein dritter Versuch in den Bundestag zu kommen, hätte auf der Landesliste weitaus bessere Chancen.

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