Linke Konjunkturfragen

Haben linke Medien im Krisenjahr 2009 wieder Konjunktur? Vielleicht war diese Frage nicht die richtige für das Podium heute Abend im Tazcafé. Einfach deshalb, weil man sich erst darüber verständigen müsste, was „links” eigentlich heißt. Und was mit Konjunktur gemeint sein soll. Dafür hatte die Runde mit drei ChefredakteurInnen (Tageszeitung, Neues Deutschland, Der Freitag), dem Ex-Chefredakteur der Frankfurter Rundschau und der Bloggerin Anne Roth jedenfalls nicht die nötige Zeit – weshalb man dann eher eine Mischung aus offenen Fragen, ein paar guten Ideen und jede Menge Eigenwerbung präsentiert bekam. Immerhin war mehrmals zu hören, dass die Summe der Schwäche von vielen zusammen noch keine Stärke bringt. Was tun? Wolfgang Storz (Ex-FR) und Jürgen Reents (ND) plädierten irgendwann dafür, dass die als links verstehenden Medien über alle existierende ökonomische Konkurrenz hinweg auf die Bündelung von Ressourcen verständigen: Damit besser verständlich wird, was ist, müssten die geringen Möglichkeiten der einzelnen Blätter und Blogger zusammenkommen. Gibt es eine realistische Chance für gemeinsame Projekte? Ich glaube, eher nicht. Auch deshalb, weil wo von „Konjunktur” immer wieder die Rede ist, neben dem ideellen Profit auch der Zwang zum ökonomischen gilt. Zeitungen und Internetprojekte müssen sich unter kapitalistischen Bedingungen eben um mehr Sorgen machen, als um die nötige Akkumulation von Wissen über das einzigartige der gegenwärtigen Krise (Ulrike Herrmann, Taz), um die Ankurbelung von Kampagnen gegen die Verwalter derselben (Michael Sonntag, Taz-Mitgründer) um die Verbreitung von „Haltung”, damit man sich angesichts einer zum Instrument der Enteignung greifenden Bundesregierung noch orientieren kann (Philip Grassmann, Freitag) – nämlich ums wirtschaftliche Überleben. Das bringt Konkurrenz. Print ist vielleicht nicht tot, aber doch sichtbar kränkelnd. Internet wiederum bringt kein Brot auf den Tisch. Und, um auf die Eingangsfrage zurückzukommen, haben denn nun die linken Medien im Krisenjahr wieder Konjunktur? Gegenfrage: Hatten sie denn jemals eine? Der Abend war aber trotzdem ganz nett, der Kollegen und Bekannten wegen. Wenn doch nur diese ewige Polemik gegen die „alten Antworten” aufhören würde, wo doch in Zeiten der Krise jeder mitbekommen haben dürfte, dass es neue gar nicht so viele gibt und von denen, die da zu überkommenen Altlasten erklärt werden, einige gerade jetzt wieder Aktualität beanspruchen können.

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Ein Kommentar zu “Linke Konjunkturfragen”

  1. David sagt:

    Eins muss man Herrn Grassmann lassen: Er ist ein guter Verkäufer. Sollte eine Besucher der gestrigen Veranstaltung den Freitag noch nicht kennen, oder noch nicht gehört haben das freitag.de der Platz zum bloggen und diskutieren ist, jetzt weiß er es ;-)

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