Organisierte Austritte?

Vor drei Wochen stand die Ankündigung im Spiegel, jetzt meldet das Magazin auch den Vollzug: In Hessen haben mehrere Dutzend Mitglieder der Linken der Partei den Rücken gekehrt, möglicherweise stehen weitere Austritte bevor. Seit Wochen gibt es Streit in dem Landesverband, der sich in einigen lokalen Brennpunkten konzentriert. Die Frontverläufe sind etwas unübersichtlich, der Spiegel schreibt von einem „Konflikt zwischen basisdemokratisch orientierten Mitgliedern und großen Teilen der Parteiführung sowie der Landtagsfraktion”, denen vorgeworfen wird, „Inhalte zugunsten von Eigeninteressen und Machtpolitik” aufgegeben zu haben. Anderswo ist von persönlichen Differenzen die Rede, auch Streitigkeiten aus dem Fusionsprozess von Wahlalternative und PDS schwelen offenbar weiter (siehe auch hier und hier). In der Öffentlichkeit wird der Streit bisweilen mit wirksamen Schlagwörtern wie „Stasi-Seilschaften” geführt, was von den Medien begierig aufgegriffen wurde und den Landesvorstand zu Dementi veranlasste. Inzwischen wird beinahe jede interne Wortmeldung Gegenstand von Berichterstattung (beispielsweise hier), und meist kommt die Rede darin auch auf die Austritte der jüngsten Zeit. Landeschef Ulrich Wilken hat jetzt in einer Reaktion auf den Spiegel-Vorabbericht die Frage aufgeworfen, „in wessen Interesse” es eigentlich geschehe, „wenn kurz vor einer Landtagswahl Parteiaustritte offensichtlich organisiert werden”. Auf das Wachsen der hessischen Linken haben die Abgänge Wilken zufolge ohnehin keinen Einfluss: Im vergangenen Jahr zählte die Partei in dem Landesverband 732 neue Mitglieder.

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Ein Kommentar zu “Organisierte Austritte?”

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