Nur die halbe Nachricht

Die Ökonomie der kommerziellen Verbreitung von Neuigkeiten bringt es mit sich, dass an jedem Wochenende aus Vorabmeldungen eines Hamburger Magazins Nachrichten werden, die schnell die Runde machen. So auch in diesem Fall: „Mehrere Dutzend Mitglieder der hessischen Linken drohen nach einem Bericht des Spiegel mit ihrem Parteiaustritt”, konnte man am Samstag in fast jedem einigermaßen aktuellen Onlinemedium lesen, weil die Nachrichtenagentur dpa aus den Satz über den Ticker geschickt hatte. Es gebe Klagen über „Stasi-Machenschaften” (was in Hessen nicht gerade neu ist, mehr hier, und was der Landesverband umgehend zurückwies), außerdem hatte die Einstellung von Mitarbeitern zu Mini-Löhnen durch die Landtagsabgeordnete Marjana Schott für Kritik gesorgt – die Politikerin hat sich inzwischen dazu erklärt, die Jobs wurden in sozialversicherungspflichtige halbe Stellen umgewandelt. Das eine wie das andere kann man unappetitlich finden, des Pudels Kern ist es möglicherweise nicht. Einer der Kronzeugen des Spiegel ist der bereits im November aus der Partei ausgetretene frühere Kreisvorsitzende der Linkspartei in Darmstadt-Dieburg, Hans-Walter Ortmann. Der hatte schon damals von „unmenschlichem Umgang unter Parteimitgliedern” gesprochen und auf angebliche Ausforschungen hingewiesen – seinerzeit jedoch noch nicht das Aufreger-Schlagwort „Stasi” benutzt. Die Frankfurter Rundschau berichtete vor wenigen Tagen, bei der Neuwahl des Kreisvorstandes der Partei in Darmstadt-Dieburg seien „auch die Hintergründe für den heftigen Streit der vergangenen Wochen deutlich” geworden. „Offenbar handelte es sich um persönliche Differenzen”, so die FR. Ortmann war dem Vernehmen nach auch einer der Kritiker der Spitzenkandidatur von Pit Metz zur hessischen Landtagswahl 2008, der nach einer öffentlichen Kampagne das Handtuch werfen musste. Darüber hatte sich unter anderem der Kreisverband der DKP in Darmstadt-Dieburg beschwert. Ortmann selbst erklärte noch kurz nach seinem Rücktritt als Kreisverbandschef, der Landesvorstand habe es versäumt, „Strömungen von ganz links außen” einen Riegel vorzuschieben. Das alles erfährt man aus der  Spiegel-Vorabmeldung ebenso wenig wie in den Nachrichten zahlloser Online-Portale, die inzwischen die Meldung via dpa übernommen haben.

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