Der Sieger heißt Fraport

Die aktuellen Nachrichten von der hessischen Koalitionsfront kann man durch allerlei parteipolitische Brillen betrachten, man kann die CDU als Stahlhelmer bezeichnen, man kann behaupten, immer schon gewusst zu haben, dass alles an der SPD scheitern wird, man kann jetzt heimlich nach Jamaika schielen oder sich die Haare raufen über das Maß an politischer Absurdität, das da heute bei dieser denkwürdigen Pressekonferenz zu beobachten war – einen hatten die meisten heute nicht auf der Rechnung – den Sieger des Tages und der heißt Fraport AG. Seit Wochen hatte der Konzern gegen die rot-grünen Koalitionspläne gewettert, vor dem Verlust von 50.000, ach was 70.000 Arbeitsplätzen gewarnt – und dabei nur ganz selten einmal über die Linkspartei gesprochen, was zeigt, dass alles sonstige Lamento über die bösen Kommunisten lediglich zur Ablenkung des Publikums vorgetragen wird. Willi van Ooyen als Honeckers U-Boot im Westen? Huhu. Interessanter ist da doch die Tatsache, dass der Aufsichtsratschef des Flughafen-Unternehmens zugleich (noch amtierender) CDU-Finanzminister ist. Oder dass einer der Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen im Beraterkreis der Fraport AG sitzt – das Zentralorgan der Ypsilanti-Gegner hat seine Aufgabe heldenhaft erfüllt und noch bis zur letzten Sekunde im Kampf um die Freiheit geführt, die sie meinen. Mit Erfolg: Die Fraport-Aktie hat heute um mehr als zehn Prozent zugelegt. Vom Jahreshoch ist der Konzern zwar noch ein gutes Stück entfernt, aber das wird noch. Jetzt, wo neben dem Tagessieger noch eines klar ist: Eine rot-grün-rote Regierung wird es in Hessen nicht geben. Das Kapital holt ganz tief Luft. Aber hatte es denn etwas zu befürchten?

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