Brie bleibt Europäer
Hast du einen Opa, schick ihn nach Europa. Die alte Polit-Weisheit soll den Maßstab illustrieren, der in Deutschland bei der Entsendung von Politikern ins Europäische Parlament angelegt wird. Nach Brüssel und Straßburg werden freilich nicht nur ausgediente Ehemalige entsandt, auch Renitenz und Flügelzugehörigkeit können zum EU-Ticket führen. Sahra Wagenknecht zum Beispiel, die Frontfrau der Kommunistischen Plattform, die gern in den Bundestag zurückkehren würde, die ihre Parteioberen aber wohl lieber auf europäischer Bühne sehen. Einer ihrer innerparteilichen Widersacher, der Reformer und von anderen so bezeichnete “Vordenker” André Brie, darf bzw. soll auch im EU-Parlament bleiben.
Sein heimischer Landesverband sprach sich für eine erneute Kandidatur des Abgeordneten aus. Er habe sich “durch seine Arbeit im parlamentarischen und außerparlamentarischen Raum parteiübergreifend Anerkennung erarbeitet”. Allerdings weniger innerhalb der Partei. Seine Einwürfe zur Lage der PDS bzw. später der Linkspartei waren immer für erregte Reaktionen gut. Als er einmal erklärte, Oskar Lafontaine brauche auch innerhalb der Partei Opposition, reagierte nicht nur die Fraktionsführung verärgert. Ähnliches gilt für die Frage des Mitregierens, für seine Haltung zur Menschrechtslage in Kuba, für die Beurteilung der Lage in Afghanistan, die Europapolitik und so weiter. Man muss nicht immer mit Brie einer Meinung sein, um manchen seiner Gedanken als interessanten zu schätzen. Die dafür nötige Unabhängigkeit hat ein Linkspartei-Politiker derzeit wohl nur im fernen Europa. So gesehen ist der Vorschlag, Brie erneut ins EU-Parlament zu entsenden, vielleicht gar nicht so verkehrt.
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